Jubiläumswein zum 175. Geburtstag von Hermann Müller – Thurgau

Die Müller-Thurgau-Rebe ist eine Erfolgsgeschichte, vor allem in der Deutschschweiz, wo 92% der Schweizer Müller-Thurgau Flächen (total 425 Hektaren) liegen. Aber auch in Deutschland hat der Müller-Thurgau eine überragende Bedeutung (knapp 11’000 Hektaren bzw. 10.6% der gesamten Rebfläche). Allerdings verliert er an Boden (weltweit minus 45% seit 2000). Der Grund für den Rückgang ist der gleiche wie jener für seinen ursprünglichen Erfolg: Müller-Thurgau ist unkompliziert im Anbau und im Glas. Im Anbau liefert er hohe Erträge; seine Anfälligkeit gegen Pilzerkrankungen hat man dank intensiven synthetischen Pflanzenschutzes in den Griff bekommen. Im Glas liefert er einen harmonisch balancierten Alltagswein mit frischer Frucht und einem ausgewogenen Säurespiegel. Damit wurde er seit Mitte der 70 Jahre zum Liebling der Winzer und verdrängte anspruchsvollere Sorten wie Riesling oder Silvaner. Mit dem Rückgang des Weinkonsums und gestiegenen Import von einfachen Weinen aus dem Ausland hat sich das Rad nun aber wieder gedreht. Hermann Müller wurde am 21. Oktober 1850 in Tägerwilen in eine Bäcker- und Winzerfamilie geboren. Er wurde zunächst Lehrer für naturwissenschaftliche Fächer, leitete dann aber 1876 bis 1890 die pflanzenphysiologische Versuchsstation der Forschungsanstalt Geisenheim in der Nähe von Mainz. Im Jahr 1882 kreuzte er zwei Rebsorten und ging fälschlicherweise davon aus, er habe Riesling und Silvaner gekreuzt, weshalb die Sorte oft den Namen Riesling x Silvaner trägt (z.B. in der Schweiz). Tatsächlich ist der Müller-Thurgau jedoch eine Kreuzung aus Riesling und Madeleine Royale, die ihrerseits eine seltene Sorte und das Ergebnis einer natürlichen Kreuzung aus Pinot und Vernatsch ist.

Die Kreuzung wurde in Deutschland allerdings schlecht aufgenommen. Und als Müller 1891 in Wädenswil eine Forschungsanstalt nach Geisenheimer Vorbild aufbauen sollte, brachte er seine besten Sämlinge zwar mit in die Schweiz, doch als er 1927 im Alter von 77 Jahren verstarb, fristet seine Züchtung nach wie vor ein Mauerblümchen-Dasein. Immerhin hatte 1913 einer seiner Mitarbeiter Setzlinge zurück nach Geisenheim und nannte sie Müller-Thurgau. In der Folge wurden immer mal wieder Versuche mit Müller-Thurgau Reben gemacht, vor allem auf beiden Seiten des Bodensees und oft auch illegal. Erst ab den 50er Jahren gewann die Sorte an Bedeutung, um schliesslich wie beschrieben ab den 70er Jahre eine Erfolgsgeschichte zu werden. 

Die Müller-Thurgau Reben in Flurlingen sind ein wichtiger Bestandteil der belieben Cuvée KRÜ. Zum Jubiläum gibt es ein paar hundert Flaschen reinsortigen Müller-Thurgau. 

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